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27.02.2020

Ausbildungsbegleitender Sprachkurs: Kolping-Bildungszentrum

Ansbach bietet bislang einzigartiges Angebot in Bayern

Seit November letzten Jahres führt der Arbeitsweg von acht Auszubildenden freitags in das Kolping-Bildungszentrum in Ansbach. Wie die Bildungskoordinatorin der Stadt Ansbach Cornelia Stenzel mitteilt, findet dort der regional bisher einzigartige Berufssprachkurs für Auszubildende mit Zielniveau B2 statt. Um diesen Kurs in der Stadt Ansbach bekannt zu machen, kamen am 31.01.2020 alle beteiligten Kooperationspartner zusammen.

Laut Frau Mencacci vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das den Kurs finanziert, ist dieses Format bayernweit einzigartig. Dabei liegt die Besonderheit dieses Kursformats darin, dass der kostenfreie Sprachkurs einmal wöchentlich zum Teil während der Arbeitszeit stattfindet, sozialpädagogisch begleitet und von Auszubildende verschiedenster Branchen besucht wird. Bisher finden vergleichbare Berufssprachkurse exklusiv bei einzelnen großen Unternehmen (zum Beispiel Audi in Ingolstadt) statt. Frau Mencacci berichtet weiter, dass sowohl die Politik als auch die Wirtschaft die Notwenigkeit von flexiblen Sprachförderangeboten sehen und das Ministerium mit diesem Pilotprojekt einen ersten Lösungsansatz bietet.azubian1

Den Druck aus der Wirtschaft kann die Geschäftsführerin der Birkel Bau GmbH Christine Volland bekräftigen: „Wir brauchen dringend Nachwuchs“. Viel Potenzial sieht sie in jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Allerdings hat sie bisher überwiegend die Erfahrung gemacht, dass deren Ausbildung an den zu geringen Sprachkenntnissen scheitert. „Nicht nur die Prüfungen in der Berufsschule und das Berichtheft müssen geschrieben werden, auch die einfache Kommunikation mit den Kollegen muss funktionieren“. Auch die Firma Jack Links bietet zugewanderten Auszubildenden eine betriebliche Perspektive und macht dabei ähnliche Erfahrungen. Johannes Lindner, Ausbilder und Technologist der Firma Jack Links, berichtet, dass Flüchtlinge im Betrieb tolle praktische Arbeit leisten, aber auch die Sprache ist für die erfolgreiche Ausbildung essenziell“. Beide Betriebe, deren Auszubildende freitags den Sprachkurs besuchen, setzen große Hoffnungen in das Angebot – auch, weil die Freistellung vom Betrieb ein großer organisatorischer Aufwand bedeutet. Wünschenswert wäre aus ihrer Sicht ein Kursangebot, das mit der Ausbildungszeit besser vereinbar ist.

Zwar gibt es Sprachkursangeboten, die abends und am Wochenende zusätzlich zur Ausbildungszeit stattfinden, jedoch gibt Frau Mencacci zu bedenken, dass diese eine hohe Abbruchquote vorweisen. Ihrer Meinung nach liegt dies an einer Mehrbelastung der Auszubildenden.

„Pro und Contra gibt es immer“ äußert sich Martin Fleckenstein, Leiter des Kolping-Bildungszentrums Ansbach, der den geschlossenen Freistellungs-Kompromiss als einen ersten Test für vereinbare Sprachlernangebote für Beschäftigte sieht. Gemeinsam mit der Kursorganisatorin Gabriele Meier ist er froh, dass sie genügend TeilnehmerInnen für einen ersten Kurs gefunden haben. Bis zum zu Stande kommen im November war eine hohe Koordinierungsleistung notwendig. Zum einen mussten sie Arbeitgeber finden, die insgesamt mindestens sieben Auszubildende von der Arbeit freistellen. Zum anderen sollten die TeilnehmerInnen ein ähnliches Sprachniveau vorweisen. Da die nun acht angemeldeten Auszubildenden aus sieben verschiedenen Betrieben einen unterschiedlichen Ausbildungsalltag haben, war es darüber hinaus besonders schwierig einen geeigneten Kurstag zu finden. Bei der Festlegung spielte auch der Umstand eine Rolle, dass eine Freistellung der Auszubildenden von der Berufsschule nicht möglich ist. Jürgen Schmitt, Leiter

der Berufsschule 1, hält eine zusätzliche Sprachförderung zwar für absolut notwendig, sieht aber bei einer Freistellung das Problem, dass die Auszubildenden zu viel Prüfungsstoff verpassen.

BildIn der Tatsache, dass das neue Kursangebot trotz der betrieblichen Kompromisse auf fruchtbaren Boden fällt, sind sich Robert Schmidtner von der Handwerkskammer für Mittelfranken, Richard Ehnes von der Kreishandwerkerschaft und Horst Maußner von der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken einig. Die Vertreter der Arbeitgeberinstitutionen zeichnen für Mittelfranken einen starken Fachkräftemangel nach, der vor allem kleinere und mittlere Betriebe vor große Herausforderungen stellt. Zwar zeigen viele dieser Betriebe eine hohe Ausbildungsbereitschaft, jedoch können diese nur eingeschränkt eine sprachliche Förderung anbieten. Besonders für diese Betriebe kann der ausbildungsbegleitende Sprachkurs ein gutes Unterstützungsangebot sein. Die beste Empfehlung für den neuen Sprachkurs ist, laut Frau Meier, die Motivation und die Lernbereitschaft der TeilnehmerInnen: „Sie haben alle ein konkretes Ziel vor Augen, sie wollen die Ausbildung schaffen.“ Laut Herrn Fleckenstein ist ein Quereinstieg in den laufenden Kurs möglich, wenn das erforderliche Sprachniveau gegeben ist. „Falls nicht sind weitere Kurse in Planung, bei denen auch andere Format denkbar sind“.